Bericht von der Hannover Messe

Interview mit Piotr Kuglarz von Proster

Wie war die Stimmung auf der Industriemesse, nachdem sie 2020 wegen der Pandemie abgesagt werden musste und 2021 nur virtuell stattgefunden hat? Welche Veränderungen hat die Pandemie bewirkt?

PK: Man konnte auf der Messe spüren, dass den Leuten einfach der persönliche Kontakt gefehlt hat. Deshalb war die Teilnahme auch außergewöhnlich hoch. Darüber hinaus wurden die neuesten Technologien präsentiert, über die man diskutieren konnte. Und manche konnte man sogar organoleptisch prüfen, also mit allen Sinnen erfühlen.

Welche neuen Technologien haben Sie am meisten fasziniert? Welche Trends sehen Sie im Bereich der Automatisierung?

PK: Dazu gehören räumliches Scannen und das sogenannte Shape Search, die es ermöglichen, die Entfernung und die Größe von Elementen festzustellen. Letztlich kann man auf dieser Grundlage den sicheren und notwendigen Weg bestimmen, um sich einem Gegenstand zu nähern.

Zudem zählt die Entwicklung von Programmierungen dazu, die in Echtzeit digitale Kopien des Prozess-Standes machen und die Arbeitsdienstleistungen planen sowie die Produktionspläne in den Industriefabriken verwalten. Zusätzlich gibt es Bestrebungen, den Kommunikations- und Steuerungsstandard für die Geräte aus der Industrieautomation zu vereinheitlichen. Außerdem will man für die Roboter den Kommunikationsstandard OPC-UA verwenden.

Darüber hinaus ist eine Lösung interessant, mit deren Hilfe man Industrieroboter unterschiedlicher Hersteller programmieren kann. Das ist mit besonderen Programm-Bibliotheken möglich, die für den Treiber SIMATIC S7-1500 (SIMATIC Robot Integrator) entwickelt worden sind.

War der Krieg in der Ukraine ein Thema, das man gespürt und das man in irgendeiner Form diskutiert hätte?

PK: Als Unternehmen, das aus Małopolska stammt, können wir unsere Erfahrungen mit unseren europäischen Partnern teilen, wie man Hilfe für die Ukraine organisiert und ihnen sagen, wie die aktuelle Lage an der östlichen Grenze aussieht.

Die militärische Aggression auf einen unabhängigen Staat in Europa hat uns alle überrascht. Gleichzeitig hat die polnische Gesellschaft gezeigt, dass die allgemein verbreitete Meinung unberechtigt ist, die Polen würden sich generell gegenüber Ausländern ablehnend verhalten. Derzeit halten sich rund zwei Millionen Flüchtlinge in Polen auf, und alle haben Hilfe gefunden.

Am Sitz der Agentur für die regionale Entwicklung von Małopolska hat ein Treffen mit einer Delegation der Landesregierung von Thüringen stattgefunden. Dabei hat man nicht nur die deutsch-polnische Zusammenarbeit diskutiert, sondern auch, wie man der Ukraine helfen kann.

Wie kommen die Industrieunternehmen damit zurecht, dass die Lage der Lieferketten und der Zugang zu den Rohstoffen immer schwieriger wird?

PK: Der Großteil der Industrieunternehmen muss sich mit logistischen Problemen auseinandersetzen. Wir kommen an einen Punkt, wo die Firmen ihre Produktion zum Teil nach Europa zurückverlagern, um auf diese Weise ihr geschäftliches Risiko zu diversifizieren.

Dadurch entstehen ihnen zwar höhere Kosten. Doch erhöht sich dadurch auch die Qualität. Zudem verkürzt sich die Zeit, um die Kunden zu bedienen. Vor allem verringert sich so das Risiko.

Wie gehen die deutschen Firmen mit dem Anstieg für die Energiepreise um? Welche Lösungen werden auf der Messe angeboten?

PK: Erstens will der deutsche Staat jedem einzelnen Unternehmer einen besonderen Ausgleich zahlen. Die Deutschen machen bei der Entwicklung und die Unterstützung der Erneuerbaren Energien sehr viel Druck. Auch forcieren sie die Energieerzeugung durch sogenannte Prosumer, also Akteure, die den Strom selbst herstellen und dann verbrauchen. Dies ist ein wertvoller Beitrag, den die Bevölkerung leisten kann.

Darüber hinaus gibt es immer mehr Investitionen in Grüne Energie, die verstärkt mit Hilfe intelligenter Lösungen und Technologien aus dem Bereich der IT hergestellt wird. Es werden auch Technologien für Energiebanken entwickelt. Die Verbindung von effizienten Erneuerbaren Energien mit IT ist die Zukunft für die Erde.

Welche polnischen Firmen eignen sich für die deutschen Partner? Ist schon zu sehen, dass die Waren und Dienstleistungen aus Polen für die Kunden immer interessanter werden?

PK: Wir sehen, wie sich die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen regionalen und internationalen Einrichtungen entwickelt. Diese bemühen sich, die Unternehmen zu unterstützen, indem sie immer mehr Leute für ihre Arbeit interessieren. Mit ihnen tauschen sie verstärkt wertvolle Informationen aus.

Darüber hinaus beobachte ich, dass die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen eine immer größere Perspektive bekommt. Deutschland ist für Polen ein wichtiger Handelspartner.

Darüber hinaus sehen auch die Deutschen, dass sie sich durch uns entwickeln können. Ich finde, dass alles immer besser wird. Und die aktuelle Krise führt dazu, dass sich die Zusammenarbeit sogar noch vertieft – entgegen allen Befürchtungen. 

Hat auf der Messe die Unsicherheit überwogen, ob die allgemeine Verunsicherung an den Weltmärkten noch größer wird? Oder war auch die Hoffnung zu spüren, dass doch irgendwie wieder Normalität einkehrt?

PK: Die Unsicherheit unter den Unternehmern und den Mitarbeitern war größer, weil die globale Lage sich dynamisch ändert. Das führt jedoch auch dazu, dass die Menschen gemeinsam nach Auswegen aus der Krise suchen und dass sie lernen, mit schwierigen Situationen umzugehen.

Meiner Meinung nach sehnen sich die Leute nach Normalität und wollen in die Zeit vor der Pandemie zurück.

Man konnte das auf der Messe richtig spüren. Und mit einem echten Menschen von Angesicht zu Angesicht sprechen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Piotr Kuglarz

Export Sales Manager
Proster Sp. z o.o.
 www.proster.net.pl