Gespräch mit unserem neuen Geschäftsführer Dr. Lars Gutheil

Ein Gespräch mit Dr. Lars Gutheil (46), seit Juni 2019 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Polen, über seine ersten Eindrücke sowie die Pläne für die kommenden Monate.

  • Dr. Lars Gutheil

Sie sind seit rund 15 Jahren im Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern aktiv. Wie sind Ihre ersten Eindrücke der Kammer in Polen?

Die ersten Tage waren dynamisch und steckten voller Informationen. Es ist nicht zu übersehen, wie vielfältig die Aktivitäten der AHK Polen sind. Nach meinem Eindruck ist die Kammer gut sichtbar, fachlich kompetent und stark vernetzt, was mich sehr freut. Ich konnte bereits eine Delegation aus Bayern unter Leitung von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger begleiten, habe mehrere Veranstaltungen der AHK miterlebt und unsere umfassende Ausschuss-Arbeit kennengelernt. Eines steht fest: Langweilig wird es nicht!

Ihre früheren AHK-Stationen waren die Niederlande und zuletzt die Baltischen Staaten. Wie unterscheidet sich die Aufgabe in Polen davon?

Zum einen natürlich dadurch, dass ich erstmals als Hauptgeschäftsführer die Aufgabe habe, die Gesamtorganisation der AHK zu leiten. In den baltischen Staaten war ich als stellvertretender Geschäftsführer vor allem für das Dienstleistungs- und Projektgeschäft verantwortlich. Zum anderen durch die Dimension Polens im Hinblick auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland. Die baltischen Staaten sind in Deutschland für viele Unternehmen ein unbeschriebenes Blatt. Polen dagegen ist schon heute einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands und schickt sich an, seine Position weiter zu verbessern. Die wirtschaftliche Entwicklung ist ungebrochen gut, das Land hat seine ohnehin gute Wettbewerbsfähigkeit als Investitionsstandort konsequent verbessert und wird auch als Beschaffungsmarkt immer interessanter. Das bietet viele Ansatzpunkte für die AHK und ihr wachsendes Mitgliedernetzwerk. Umgekehrt muss man dem Eindruck mancher Unternehmen entgegenwirken, sie wüssten schon „alles“ über Polen. Ich bin meinem Vorgänger Michael Kern dankbar, dass er die Kammer in einem sehr gut organisierten Zustand hinterlassen hat. Vor allem sind wir dank des Ausbaus der Regionalbüros in den vergangenen Jahren auch in mehreren Wojewodschaften sehr gut vertreten. Ich hatte bereits das Glück, in den ersten Tagen meiner Tätigkeit nach Breslau zu reisen und war beeindruckt davon, wie eng die Zusammenarbeit im deutsch-polnischen Netzwerk dort ist.

Wo sehen Sie wichtige Themen, die Sie als Chef der Handelskammer besetzen wollen?

Mir ist es jetzt erst einmal wichtig, mit den Kollegen, dem Vorstand und natürlich mit unseren Mitgliedern zu sprechen und zu erfahren, wo sie bedeutende Entwicklungen und Herausforderungen sehen. Im nächsten Jahr feiert unsere AHK ihr 25-jähriges Bestehen. Es ist klar, dass wir dies gebührend feiern wollen. Natürlich möchte ich gern Themen besetzen, die in der Zukunft für beide Länder eine wichtige Rolle spielen werden. Für Polen ist etwa der Ausbau der Industrie 4.0 in allen Facetten oder das Thema Berufsbildung derzeit ein großes Thema, das wir intensiv besetzen werden. Deutschland ist hier ein wichtiger Partner. Wir beobachten aber auch, dass das Interesse unserer polnischen Mitglieder und Kunden am deutschen Markt kontinuierlich zunimmt. Daher ist es mir ein Anliegen, unsere Aktivitäten auch Richtung Deutschland weiter zu verstärken. Dabei denke ich nicht zuletzt an die sehr lebendige und leistungsstarke polnische IT- und Startup-Szene, die in Deutschland noch zu wenig bekannt ist.

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